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2005-11-08: Shanghai

Nach über neun Stunden Schlaf und einem grossen Espresso wird es nun höchste Zeit, mit dem ersten Tag in Shanghai ins Detail zu gehen. Der Jetlag ist halbwegs überstanden, und mir sind so unglaublich viele Sachen aufgefallen, die ich festhalten will. Die Stadt, die Leute, die Hektik, der Sound, die Luft – es ist so überwältigend, so unglaublich hier, und langsam, ganz langsam begreife ich, dass ich wirklich in China bin. Und das hier alles anders ist. Oder auch nicht.

Arbeitsverteilung

Bereits am Flughafen viel mir eins auf: Jobs, die in Deutschland eine Person macht, machen in China mindestens drei. Oder vier. Oder fünf. Oder noch mehr. Es ist unglaublich, wie viele Angestellte jeder Laden hat. Gestern abend gingen wir in eine Bar, die ziemlich leer war – Montag eben. Und darin waren mehr Bedienungen tätig als Gäste anwesend. Dann passiert es auch öfters, dass man drei mal hintereinander eine Bestellung aufgeben soll, obwohl man schon längst bestellt hat. Verrückt…

Verkehr

Italien ist nichts, aber auch gar nichts gegen China. Hier gilt: Der Grössere gewinnt. Und eine grüne Ampel für Fussgänger bedeutet gar nichts. Das Auto hat immer Vorfahrt! Und: Wenn die Ampel für ein Auto rot ist, kann es trotzdem nach rechts abbiegen. Und wenn da grade Fussgänger sind, fährt man halt einfach durch. Wer also ein langes Leben haben will, sollte niemals unkonzentriert über die Strasse laufen. Und betrunken werde ich garantiert niemals nach Hause laufen. Tödlich…

Chinesische Medizin

Wie bereits berichtet, war ich chinesische Medizin wegen meiner Zahnfleischprellung und meinen Zahnschmerzen kaufen. Nick hat mir so ein komisches Zeug namens “GUILIN – WATERMELON FROST” rausgesucht. Da sind 2,5g Staub drin, in so einer komischen Pusteflasche.

Dieses Zeug habe ich mir gestern Nacht vorm schlafen in den Mund gespritzt, vorne, auf das Zahnfleisch drauf. Sofort begriff ich, warum das Wort Frost im Namen ist: Ein eisiges Gefühl legte sich auf das Zahnfleisch. Also direkt noch ein Ibuprofen hinterher, ich war bereits todmüde und wollte nicht nachts wegen Schmerzen aufwachen, sondern lieber durchschlafen. Kaum hatte ich mich auf mein Bett gelegt, dass übrigens holzartig hart ist, war ich auch schon weg. Neun Stunden später wachte ich dann mit einem richtig schön ekelhaften Geschmack von dem Zeug im Mund auf (Tote Katze ist nichts dagegen!) – sofort Zähne putzen. Plötzlich merk ich: Das Zahnfleisch ist viel heller geworden! Jesus! Das Zeug wirkt! Ist noch nicht komplett verheilt, aber jetzt hat sich deutlich was getan. Wunderbar…

Menschen

So gegen 22 Uhr gestern abend, nach drei oder vier Bieren, als wir von einer Bar zur nächsten liefen, und sich immer noch unendlich viele Menschen durch die Strassen schlängelten, drängte sich mir nur eine Frage auf: Wie zum Teufel kann diese Stadt funktionieren? Hier leben geschätzte 20 Millionen, ein Wohnhauswolkenkatzer steht neben dem nächsten, und überall Menschen, die irgendwas machen. Kaum einer verdient hier mehr als 500 Euro im Monat, und dennoch rennen viele mit Einkaufstüten rum. Zu viele. Das ergibt alles keinen Sinn. Ich verstehe nicht, wie dieses System so funktionieren kann. Es ist vielleicht nicht ganz verständlich, was ich überhaupt sagen will, aber wer mal hier war, wird auch bald den selben Gedanken bekommen. Es ist unbegreiflich. Vielleicht lache ich in zwei Monaten über diesen Absatz, wer weiss, aber im Moment ist das einfach ein großes Mysterium für mich. Verwirrend…

Essen

Wenn man essen geht, bestellt man viel. Ordentlich viel. So viel, dass man es überhaupt nicht aufessen kann. Hat auch mit benehmen zu tun: Man sollte immer etwas übrig lassen. Ist man alles auf, ist das unverschämt, denn es bedeutet, dass man zu wenig zu essen bekommen hat. Das Essen selbst schmeckt überigens irre gut, die Krabbe gestern war ein kulinarischer Orgasmus, wenn man das so sagen darf. Während ich in Japan meist rohes Zeug mit Sojasauce gegessen habe, bekomme ich hier dauernd Speisen mit den abgefahrensten Saucen überhaupt. Tofu mit irgend einer braunen, scharfen Sauce zum Beispiel gab es grade zum Mittagessen. Verdammt gutes Zeug. Hat aber auch einen Nachteil: Zu 08/15 Chinesen in Deutschland werde ich nie wieder gehen können, ohne mich über die Qualität aufzuregen. Lecker…

So, diese ersten Eindrücke waren mir die Wichtigsten. Es gibt noch mehr, oh ja, aber die chinesischen Frauen zum Beispiel bekommen irgendwann mal einen eigenen Eintrag…

Heute abend gehe ich mal auf den Markt, ein bißchen Kleidung kaufen, habe doch etwas zu wenig mitgenommen (habe schon gar nichts sauberes mehr?!), und sollte mir schleunigst was zulegen. Ein paar gefälschte Aramani Hosen vielleicht. Oder gefälschte Pullover. Hier gibt es alles… Oh, und Schuhe darf ich auch nicht vergessen. Dürfen es die 2008’er Nike Michael Jordans sein? Hehe…

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