Lung Fu Moon - Dragon Tiger Gate

龍虎門 Lung Fu Moon – Dragon Tiger Gate

„Fritten“ wurden sie zu meiner Zeit in den 90ern genannt, jene werte Mitschüler, die sich der extrem stumpfen elektronischen Musik hingaben, seltsame Frisuren trugen und zu chemischen Drogen nicht nein sagten. Wie soll man einen Film objektiv rezensieren, indem die Hauptdarsteller eben wie jene „Fritten“ aussehen, in Kappa-Klamotten durch die Gegend rennen, Kilogramm von Haargel in auf ihren Köpfen mit sich rumschleppen und Dialoge aussprechen, als ob ihr Gehirn ausschließlich von chemischen Substanzen geleitet wird?

Es ist schwer, aber ich versuche es trotzdem.

Nicht falsch verstehen, gefreut habe ich mich ja auf diesen Film, vor allem, weil sich Regisseur Wilson Yip zuletzt mit dem brachial guten Actionthriller SPL (auch bekannt als „Sha Po Lang“ oder „Kill Zone“) in mein Herz geprügelt hat. Beziehungsweise Hauptdarsteller Donnie Yen, welchen man ja eigentlich auf der Leinwand gesehen hat, der in Tsui Harks Seven Swords bereits positiv auffiel und der in Tiger Dragon Gate wieder mehr mit seinen Fäusten als mit seinem Mund diskutiert.

Doch sowohl die völlig armselige Story als auch die seltsamen Locations (Hongkong, dann ein computergeneriertes Zukunfts-Hongkong, dann ein alter Tempel, ein Schloss, eine Villa? Was bitte?) machen genauso wenig Sinn wie die Figuren. Hatte ich bereits erwähnt, wie bescheuert alle in diesem Film aussehen? Warum trägt der Über-Bösewicht eine Steinmaske? Was soll dieses bescheuerte Amulett? Warum können sich die Kämpfer im Dragonball-Z Stil mit Energie aufladen? Was für ein superbescheuertes Comic diente diesem Film bloß als Vorlage?!

In dem Film geht es um drei junge Helden, alle sehr gute Kampfkünstler, die irgendwie mit Amuletten und einer Kampfschule miteinander verbunden sind. Zwei der drei sind sogar Brüder, wie man später herausfindet, es aber völlig uninteressant ist und die Figuren auch nicht wirklich beeinflusst. Mit irgendwelchen wirren Rückblenden werden weiterhin die Freundschaftsbeziehungen erklärt, und in der Mitte des Films wird sich einer der drei Helden in die Tochter eines Bösewichts verlieben, der dann aber gar nicht der richtige Bösewicht ist, und… Aber da hat man sowieso schon längst aufgegeben, irgendetwas zu verstehen, und spult sich von Kampfszene zu Kampfszene vor.

Genug zerrissen, nicht wahr? Kommen wir nun zu der wirklich einzigen Stärke, die dieser Film hat: Die Kampfszenen. Die gehen ab, die rocken. Schnell geschnitten, toll choreographiert und mit pumpender Musik hinterlegt. Doch zu Tode loben darf man diese auch nicht, da sie sich wahllos an „berühmten“ Kampfszenen bedienen: So wirkt die erste Restaurantszene wie ein Zitat an Kill Bill Vol. 1, der zweite Restaurantkampf wirkt wie der Massenkampf in The Matrix Revolutions, der Baseballkampf ein bisschen nach Kung Fu Hustle, und, und, und…

Schade. Der Film sieht teuer aus, verdammt, er muss sogar so teuer gewesen sein, dass man drei Mal für mindestens fünf Sekunden ein Handy einer finnischen Firma ins Bild halten musste – hallo Schleichwerbung! Doch den sowieso schlimmen Gesamteindruck beschädigt dies auch nicht viel mehr. Hoffen wir nun, dass Wilson Yip als nächstes SPL 2 und nicht etwas Tiger Dragon Gate 2 dreht – denn das wäre wirklich schrecklich.

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