Guta - A Bloody Aria

Guta – A Bloody Aria

Eine blutige Arie verspricht der Titel, und eine blutige Arie bekommt der Zuschauer auch! Guta, so der koreanische Titel, ist der zweite Film von Regisseur Shin-yeon Won nach The Wig. Die Story ist recht simpel: Ein Musik-Professor und seine Studentin sind auf dem Autobahn nach Seoul unterwegs, die Studentin hat wohl gerade für eine Oper oder ähnliches vorgesungen. Doch dann überfährt der Professor unabsichtlich eine rote Ampel, nachdem er mal wieder unachtsam auf die langen Beine seiner hübschen Studentin geguckt hatte – und schon hat er einen Polizisten im Nacken. Zwei Strafzettel bekommt er, und regt sich sichtlich darüber auf – so sehr, dass er letztendlich den Polizisten beleidigt und davon rast.

Um sich mit seinem wundervollen weissen Benz vor dem Polizisten zu verstecken, macht er Halt auf einer Art Parkplatz nahe einem Fluss. Kaum zehn Filmminuten später ist es dann auch schon so weit, und die Tragödie beginnt: Der Professor versucht, die Studentin zu vergewaltigen. Doch diese schafft es, ihn abzuwimmeln – fürs erste. Doch kaum versteht der Professor, dass die Studentin noch Jungfrau ist, versucht er zum zweiten Male, sie zu vergewaltigen. Das liest sich jetzt bestimmt verrückt, ist aber mit so seltsamer Musik im Film untermalt, dass es den Charakter von schwarzem Humor erhält.

Überhaupt beinhalten viele Szenen brutalen schwarzen Humor im Very Bad Things Stil, so dass man wenigstens ab und zu mal auflachen kann. Blutig wird es, als plötzlich ein Trio eintrifft, dass auch noch einen Schüler in einem Sack gefangen dabeihat. Die Situation eskaliert, und es folgt Wendung auf Wendung, Gewalt auf Gewalt und alles spitzt sich immer mehr zu… Bis zum blutigen Ende – im wahrsten Sinne des Wortes.

Guta ist fast wie ein Theaterstück inszeniert, 90% der Zeit spielt der Film auf der „Bühne“ nahe dem Fluss. Ohne zu viel zu verraten: Guta ist wie eine wesentlich kleinere Version von Oldboy. Guta ist zwar weder so episch, noch so komplex wie Oldboy, aber von der Geschichte und den Figuren her doch teils sehr ähnlich. Und damit macht der Film absolut nichts falsch! Am meisten erinnern jedoch die letzten zehn Minuten vom Film an Oldboy, in denen es plötzlich eine so krasse Wendung gibt, dass der Mund vor staunen kaum noch zugehen will.

Die Bilder sind unglaublich schön und edel, wie eine Arie eben, und die Musik ebenso, sehr dezent, aber im richtigen Moment packend. Schauspielerisch geben alle perfekte Leistungen ab, unter anderem agieren Mun-shik Lee aus Mapado und Suk-kyu Han aus The President‘s Last Bang. Der mit Abstand beste Charakter ist ohne Frage Bong-yeon, einen so schockierenden Psychopathen hat man schon lange nicht mehr so schrecklich lächeln gesehen.

Wer starke Nerven hat, viel visuelle Gewalt verträgt und auf koreanische Psychodramen steht, kann bei Guta nichts falsch machen. Shin-yeon Won hat sich mit seinem zweiten Werk deutlich gesteigert und fast schon ein kleines Meisterwerk des Psychohorrors kreiert. Wird er beim nächsten Film noch etwas komplexer und bindet noch mehr eigene Ideen ein, steht einem neuen, sehnsüchtig erwartetem Oldboy nichts mehr im Wege.