Xennial Jakob Montrasio

Ich bin ein Xennial, wie nett!

Nachdem das Thema Xennial in den letzten Tagen immer wieder in meinem Facebook Feed aufgepoppt ist, hab ich mir es mal genauer angesehen und drüber nachgedacht – es ist vollkommen richtig: Als 82’er Jahrgang bin ich eigentlich weder Generation X, die die 80’er voll und ganz miterlebt haben noch ein Millenial, der die 90’er ohne die 80’er mitgenommen hat. Als 82’er habe ich das letzte Drittel der 80’er sowie die ersten zwei Drittel der 90’er in der Jugend mitgenommen – und just als das Internet und Digitalisierung kam, habe ich mich da reingewurschtelt. Analoge Kindheit, digitale Jugend könnte man sagen. Das beste von zwei Welten!

Schön war dieses Zitat bei einem Mashable Artikel:

Es war eine einzigartige Erfahrung. Du hattest eine Kindheit und Pubertät ohne den Druck der sozialen Medien und Smartphones. Es war eine Zeit, in der man sich über die Telefonleitung zuhause mit Freunden verabredete und dann zu einer gewissen Zeit an einem bestimmten Ort sein musste, um sich zu treffen.

Die Xennials, zu denen ich mich zählen darf, sind zwischen 1977 und 1983 geboren – ein Zeitraum von nur sechs Jahren, aber diese machen einen großen Unterschied. Wir waren die Brücke zwischen Generation X und den Millenials, zwischen analogen Tonträgern und der ersten DSL Leitung.

Die Generationen neben den Xennial

Ab Mitte der 60’er bis Anfang der 80’er gab es die Generation X. Diese Generation hatte die ersten Videospiele, die ersten Arcade-Salons und wuchs komplett ohne Handys und Computer auf.

Die Millenials sind zwischen 1984 und der Mitte der 90’er geboren. Für sie sind Handys und inzwischen Smartphones so normal wie ein PC zuhause. Sie haben WhatsApp und ICQ zu dem gemacht, was es ist (oder mal war).

Für Menschen ab Mitte der 90’er ist es völlig normal, mit dem Internet aufgewachsen zu sein – sie kennen es gar nicht anders. Man nennt sie Generation Z.

Vergleich zwischen einem Xennial und seinem Kind

Schon witzig, wenn man darüber nachdenkt, wie man aufgewachsen ist, und sich dann mit den eigenen Kindern vergleicht. Meine Tochter darf nur relativ selten das iPad benutzen oder fernsehen, wir sind da relativ streng, wenn ich das mit anderen Eltern vergleiche. Vermutlich reflektiere ich meine Erziehung, ich durfte auch nicht den ganzen Tag lang Gameboy spielen, nach ein paar Stunden nahm meine Mutter mir das Gerät weg und schickte mich raus. Dann ging ich halt mit Julius oder Emmanuel in den Wald spielen. War völlig okay. Aber manchmal sind Freunde von Emily da, die kaum eine halbe Stunde ohne mediale Unterstützung durchhalten und dann Emily anstiften, uns nach fernsehen zu fragen. Ziemlich unglaublich. Nach ein paar Stunden ist das okay, aber nach nur einer?

Wir haben uns früher gelangweilt, im Zimmer immer wieder Comics und Bücher durchgelesen, unsere lange ersparten CDs und Kassetten immer wieder gehört… Heute gibt es alles auf Abruf, mit einem Klick, man muss auf nichts mehr warten und wird immer ungeduldiger, scheint mir. Eine Entschleunigung ist da manchmal wirklich total wichtig. Und meine Eltern waren sehr streng, was MTV anging – nicht alle Musikvideos sind schließlich kinderfreundlich. Wenn Emily dann vom Spielen bei einer Freundin nach Hause kommt und vor dem Spiegel „sexy“ Tänze macht, weil sie sich da auf dem iPad der Freundin (!) Musikvideos angesehen haben, ärgert mich es, dass andere Eltern so fahrlässig mit dem Thema umgehen. Und wer bitte gibt seinem Kind vor dem Gymnasium ein eigenes Tablet? Ziemlich irre. Auf der anderen Seite habe ich mit 6 oder 7 auch einen Gameboy bekommen, aber da gab es nicht wirklich Inhalte für deutlich ältere drauf. Dann sollte man wenigstens eine Sperre einbauen, die YouTube blockiert bzw. solche Inhalte ausfiltert. Man muss sich doch mit sowas auseinandersetzen, bevor man es blind dem Kind in die Hand drückt!

Da fällt mir ein, was eigentlich als nächstes kommt? Ist Emily noch ein Millenial, oder wird sie zur Generation VR gehören?

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