Battle Royale.

Battle Royale ist einer der Filme, wegen denen es Altersbeschränkungen gibt. Battle Royale ist brutal, grausam, blutig, erschreckend, ekelerregend, hart, unverschonend – einer der Filme, die man wirklich nicht unter mindestens 18 Jahren sehen sollte. Weil Jugendliche einfach den sehr tiefgründigen Humor und Sarkasmus nicht verstehen würden. In erster Sicht ist der Film einfach nur eine perverse Kritik an der heutigen Zeit und unserem TV Programm. Dann entdeckt man die versteckte Kritik an dem japanischem Schulsystem, den Schülern, den Lehrern – niemand ist unschuldig. Und irgendwie macht der Film auch Spass – er zeigt uns damit, was für eine kranke Gesellschaft wir sind. Und am Ende ist er auch eine Kritik an der gewalttätigen, verherrlichenden Jugend von heute…

Aber fangen wir mal ganz ruhig mit der Geschichte an. Der Film spielt in der nahen Zukunft, und geht davon aus, das 15% aller Japaner arbeitslos sind, die Wirtschaft schlecht läuft, und die Jugendlichen immer unverschämter und gewaltbereiter sind.

In der ersten Szene sehen wir eine Fernsehreporterin, die ein Kind vor die Kamera kriegt – voller Blut, und diabolisch grinsend. Was ist denn da los? fragt man sich. Man erfährt es schon sehr bald. Erst noch ein Rückblick, wie Lehrer Takeshi Kitano von einem Schüler angegriffen wird und ins Bein geschnitten bekommt. Danach verlässt er die Schule. Dann wieder ein Schnitt zurück ins Jetzt. Eine Schulklasse sitzt im Bus, sie fahren wohl auf einen Ausflug oder sowas. Plötzlich schlafen alle ein, nur einer bleibt wach, und wird von dem mit Gasmaske ausgeschtatteten Busfahrer KO geschlagen. Als die Schüler aufwachen, sind sie in einem heruntergekommenen Klassenzimmer. Der alte Lehrer kommt ins Zimmer herein, mit ihm an die 20 Marines. Lächelnd schreibt er “BATTLE ROYALE ACT” an die Tafel, und fragt dann in die Klasse, wer dieses Gesetz kennt. “Niemand? Hättet Ihr nur besser aufgepasst!” – Kitano ist so unglaublich gut in dieser Rolle, aber es wird noch besser. Da niemand das Gesetz kennt, wird es den Schülern im Videogamevorspann gezeigt. Eine junge Dame im Camoaufzug erklärt der Klasse, das sie auserwählt wurden für den BR ACT, dass nur ein Würdiger weiterleben darf, dass Sie drei Tage auf einer Insel bleiben werden, dass jeder eine andere Waffe und ein Survival Packet bekommt und das nach drei Tagen nur noch einer leben darf – sonst werden allen per Halssprengband (so FORTRESS Style) die Köpfe weggesprengt. Dass die Halsbänder funktionieren, wird auch gleich demonstriert, als ein Schüler anfängt zu rebellieren. Zack, ist der Kopf ab.

Man ist von dieser Szene dermassen geschockt, man schwebt zwischen lachen und weinen. Gut, ich habe gelacht. Wir haben den Film zu zweitt geguckt und ihn mit Humor gesehen. Und ich denke, das ist besser so. Wer diesen Film todernst nimmt, dem möchte ich nicht begegenen.

Nachdem dann die Waffen (mehr oder weniger “Waffen”) verteilt wurden und einer nach dem anderen das Gebäude verlässt geht das Gemetzel schon sehr schnell los: Ein etwas dickerer Junge, stark verängstigt, bringt gleich ein paar Schüler mit seiner Armbrust um – bevor er von einem freiwillig beigetretenem Spieler per Uzi niedergestreckt wird.

Ja, ausser der Klasse sind noch 2 weitere Schüler auf der Insel – einer freiwillig, einer nicht ganz freiwillig… Aber mehr verrate ich hier nicht.

Die restlichen zwei Stunden vom Film passiert noch einiges – neben etwa 40 verschiedenen Todesszenen kommen auch noch sehr sehr sarkastische Szenen. Da ist diese Mädchengruppe, die lieber zusammensterben wollen, als sich umzubringen. Plötzlich kommt aber ein Faktor ins Spiel, der die Gruppe so verwirrt, dass sämtlich Vertrauen verschwindet und sie sich doch bestialisch abschlachten…

Da gefriert einem im wahrsten Sinne des Wortes das Blut. Der Film verherrlicht die Gewalt nicht, aber er schont auch nicht. Alle Tode werden voll und explizit gezeigt.

Nach dem Film sassen wir dann erstmal 5 Minuten ziemlich Baff vor der Glotze – kein Wort geredet, erstmal wieder runterkommen. Wir haben das gegen Ende dann doch ernster genommen, als uns lieb war…

Und genau das macht Battle Royale auch zu dem Meisterwerk, dass er ist. Unter den schon extrem harten Oberfläche ist eine noch viel schlimmere Tiefgründigkeit, die schlichte Gemüter sicherlich ziemlich mitnehmen kann. Solange man sich ein wenig mit dem harten japanischen Schulsystem auskennt, versteht man die Kritik, aber für einen weniger Kulturoffenen Menschen muss dieser Film einfach nur sick sein.

Nichtsdestotrotz ein genialer Film, den man – solange man volljährig ist – unbedingt sehen sollte. Aber vorher unbedingt noch über die japanisch Kultur schlaumachen! Sonst bringt es gar nichts.

Übrigens gibt es den Film hier in den Videotheken, wenn auch nur stark gekürzt. Wer ihn ungeschnitten sehen will, der soll mich kontaktieren, dann schauen wir mal wo wir den herbekommen…