Cidade De Deus: City Of God.

City Of God ist einer der drastischsten Filme, die ich je gesehen habe. Dabei ist der Film nicht das drastische, nein, der Film ist wunderbar gemacht. Das drastische sind die Charaktere und deren Verhalten. Deren wahlloses töten. Zum Spass. Da laufen Leute amok, fahren sich Koks rein, und töten rum. Rauben rum. Vergewaltigen Frauen. Und das sind Kinder und Jugendliche, von denen ich hier rede!

City Of God ist in mehrere Episoden aufgeteilt – wir begleiten während dem Film den Hauptdarsteller Sandro, der Photograph werden möchte, in dem Alter zwischen 8 und etwa 18. Von seinen zwei besten Freunden wird in dieser Zeit einer erschossen, und der andere mausert sich zum Drogenboss der Stadt. Und um den Drogenboss geht es eigentlich auch: Ze. Ze, diesen Namen werde ich nie wieder vergessen. Ze bekommt im Film eine ein oder zwei Minuten Sequenz, die einem allerdings wesentlich länger vorkommt. Da sieht man, wie viele Leute Ze umbringt, bevor er einen Stadtteil in seiner Hand hat.

Das ist einfach krass. Immer aus der Vogelperspektive, immer nur am Morden. Allerdings hat der Film, bis diese Szene kommt, einen bereits so eingefangen, einen so davon überzeugt, dass das auf einer wahren Begebenheit basiert, das man sich richtig unwohl fühlt. Ist diesem Menschen denn nichts mehr etwas wert? Wo will er hin? Was bringt ihm der Ruhm, bei diesem Preis? Lauter Fragen schiessen einem durch den Kopf. Es wird keine wirklich gelöst. Und diese Szene spricht für den ganzen Film: Sie ist total radikal und drastisch. So siehts aus, hört man den Regisseur sagen. Ein aufweckender Film…

Am Ende hat Sandro es dann geschafft, er ist Photograph – aber er ist dann auch alleine…

Vielleicht ging mir der Film auch nur so auf den Magen, weil ich drei kleine Geschwister habe. Wenn ich mir vorstelle, was für einer Umwelt die Kinder im Film ausgesetzt sind, verstehe ich auch irgendwo deren Aggresivität. Aber das ist doch zu krass. Dass mein kleiner Bruder mit einer Pistole in der Hand durch die Gegend rennt und andere abballert ist einfach… surreal. Aber der Film spielt in einer anderen Gegend, anderes Land, andere Sitten. Man glaubt alles…

Die Story ist wirklich einzigartig. Ein langes, grossartiges Epos – keine Minuten langweilig, keine Einstellung unüberlegt. Rhytmisch geschnitten, lebendige Kamera, irre Musik. Der Film ist perfekt. Aber grade darum tut er weh…

City Of God ist ein Film, den man gesehen haben muss. Nicht nur wegen der readikalen Gewaltdarstellung, auch wegen der Machart. Die Farben, Bildkompositionen, wundervoll. Wenn der Film nicht so wundervoll verpackt wäre, würde man ihn wohl kaum ertragen.

Ich kann nur empfehlen, ihn auf jeden Fall gucken zu gehen. So etwas sieht man selten. Und im Kino noch seltener.

About the author

Jakob Montrasio

2005 nach Shanghai gezogen. Firma gegründet, Filme geschrieben und gedreht. Jetzt wieder in Deutschland, mit Frau und Tochter.

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