Blueberry.

Jan Kounen, bekannt geworden durch seinen genialen Actionfilm Dobermann, hat es mit Blueberry geschafft, ein Comic von Mœbius für die grosse Leinwand aufzubereiten. Allein der Versuch, ein Comic von Mœbius zu verfilmen, ist im Grunde genommen wahnsinnig. Seine Zeichnungen zeichnen sich durch Minimalismus aus, dennoch schafft er es, mit wenigen Strichen ganze Welten und Atmosphären zu kreieren. Die Blueberry Comics sind mir zwar nicht bekannt, die John Difool Reihe liegt allerdings mehrmals gelesen bei mir im Schrank.

“Loosly based on the Story by Mœbius” heisst es in den Credits, aber es steckt mehr Mœbius in dem Film, als man erwartet. Vincent Kassel, der Dobermann, hat in Blueberry einmal mehr die Hauptrolle: Er spielt Mike S. Blueberry, einen sehr nachdenklichen, tiefgründigen und zerissenen Sheriff, der indianisch kann und deswegen von den einen respektiert und von den anderen verachtet wird. Der Film spielt um 1870, als es noch Kriege zwischen, simpel gesagt, Cowboys und Indianern gab.

In einem Rückblick am Anfang erfährt man einiges: Blueberry war in den zwanzigern ein junger, wilder Romeo, der den Damen in Bordellen gerne diente und harte Arbeit mied. Doch eines verhängnissvollen Tages trifft er auf den Gangster Blount, dargestellt durch den immer wieder überzeugenden Michael Madsen, und Blueberrys Geliebte stirbt. Er selbst setzt das Bordell in Flammen, und flieht angeschossen vor Blount. Nach einem lange Ritt wird er halt tot von Indianern gefunden, die ihn mitnehmen, pflegen, und in die Geheimnisse der Indianer einführen.

Ab hier wird es sehr mystisch, und an genau dieser Stelle entscheidet sich auch, ob man den Film lieben oder hassen wird: Lässt man sich auf die besagte Mystik ohne Fragen ein, akzeptiert die visuelle Umsetzung der “Trips”, die die Darsteller mehrmals durchmachen, dann wird man von der Umsetzung völlig weggeblasen. Wunderschön animiert werden seelische Zustände, Ängste und andere Gefühle durch wilde Computeranimationen visualisiert und auch verständlich gemacht.

Kounen geht in den Animationen sehr zurückhaltend mit Farben um, es bleibt sehr trocken und kalt, viel schwarz, golden und weiss, und wirkt durchgehen edel. Diese Animationen sind sehr wichtig, stellen sie doch den momentanen geistigen Zustand dar, und hätten sehr leicht völlig schief gehen können.

Lässt man sich nicht auf diese mystische, gedankliche, geistige Ebene ein, kann man eigentlich das Kino verlassen, da selbst der Showdown des Films auf dieser Ebene ausgetragen wird – take it or leave it.

Ich habe mich darauf eingelassen und mich von den Bildern faszinieren lassen, und es hat verdammt viel Spass gemacht. Man merkt, dass es sich bei Blueberry um einen sehr persönlichen Film handelt, Kounen wird sicherlich seine Erfahrungen und Erlebnisse in Mexico und mit den Indianern eingebaut und verarbeitet haben – ich beneide ihn um diese.

Nach dem Rückblick beginnt die eigentliche Story, die zwar nicht sehr kompliziert, aber dennoch mit einigen Wendungen gespickt ist. Teilweise ist es hier ein wenig Klischeehaft, der Vater von Juliette Lewis Charakter schickt ein paar seiner Leute in indianisches Gebiet, um dort in den Bergen nach Gold zu suchen, gleichzeitig befindet sich der alte Feind Blount auf dem Weg dorthin, um das Geheimnis der Indianer zu finden. Juliette Lewis spielt Maria, die sich in Blueberry verliebt und somit zwischen ihrem Vater und ihm hin- und hergerissen ist. Auch sie liefert eine sehr gute und glaubwürdige Vorstellung ab.

Bis zum Showdown an einem geheimen Ort der Indianer in den Bergen gibt es noch ein paar Actionszenen, ein paar Untergeschichten und jede Menge atemberaubender Aufnahmen der Landschaft und der Darsteller. Wie erwähnt, ist dies ein sehr Publikumsspaltender Film. Ob einem der Film gefällt oder nicht, muss jeder für sich selbst herausfinden. Ich hatte viel Spass beim gucken und fand auch die indianischen Aspekte sehr interessant.

Jan Kounen, weiter so!

About the author

Jakob Montrasio

2005 nach Shanghai gezogen. Firma gegründet, Filme geschrieben und gedreht. Jetzt wieder in Deutschland, mit Frau und Tochter.

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