Ong Bak – Muay Thai Warrior.

Keine Computereffekte, keine Kabel (“Wire-Fu”). Diese zwei Bedingungen legte Regisseur Prachya Pinkaew vor dem Dreh fest – und hielt sich zusammen mit Hauptdarsteller Phanom Yeerum daran. Keine Computereffekte in einem Martial Arts Film zu haben, war früher ganz normal, und ist es teilweise auch heute noch, keine Kabel bei den Kampfszenen zu benutzten allerdings nicht. Wenn man auf der Leinwand Neo in MATRIX einen seitlichen 360° Sprung machen sieht, sieht man natürlich nicht die Kabel, die ihm dabei helfen, diese Akrobatik zu vollführen, aber man denkt sie sich teilweise dazu. Und wenn es, wie zum Beispiel bei Kate Beckinsales schlecht gekabeltem Backflip gegen Ende in der Kanalisation in UNDERWORLD, total unnatürlich aussieht, sowieso.
Ong Bak One Sheet

In ONG BAK sieht dementsprechend bei den Kampfszenen nichts, wirklich gar nichts unrealistisch aus, und wenn Hauptfigur Boonting einem Bösewicht mit brennendem Bein ins Gesicht tritt, weil dieser mitverantwortlich für den Diebstahl einer Buddha Statue aus Boontings Dorf ist, dann ist es auch so beim Dreh gewesen. Allein dieser Fakt macht natürlich noch keinen guten Film aus, aber glücklicherweise hat ONG BAK alles, was einen richtig guten Martial Arts Action Film ausmacht: Brilliant cheographierte Kampfszenen; gut plazierte, humorvolle Einlagen; Emotionen, die nicht wie in SPIDERMAN 10 Zentimeter dick sind und total kitschig und unnatürlich wirken; eine Story, die zwar schlicht, aber mitreissend ist – sie erinnert ein wenig an Rocky, Karate Kid und Indiana Jones; Figuren mit Tiefe und Locations, die sowohl auf dem Lande als auch in der Stadt total frisch, richtig unverbraucht wirken und ein wundervolles Thailand porträtieren.

Wie gesagt, es geht um eine Buddha Figur, die einem Dorf entwendet wird, was ein schlechtes Omen für die kommende Ernte darstellt. Also legen alle Einwohner ihr weniges Geld zusammen, drücken es dem stärksten in der Stadt in die Hand, und schicken ihn hinter dem Dieb her, in die Großstadt. Der Stärkste des kleinen Dorfes ist Boonting, und bereits die erste Sequenz im Film macht uns mit ihm vertraut, als er bei einem rituellen Wettkampf eine Flagge von einem gerne 15 Meter hohen Baum holt, und sich dabei mit Fäusten und Kicks gegen seine Mitkämpfer durchsetzt.

In der Stadt angekommen, sucht Boonting als erstes einen alten Kameraden aus seinem Dorf aus, der bereits vor längerer Zeit ausgewandert ist und sich mit Geldwetten am Leben hält. Dieser soll ihm helfen, den Buddha zurückzubekommen, doch das Stadtleben hat ihn bereits dermassen zerstört, dass er als erstes Boontings Geld klaut und mit diesem in eine illegale Kampfarena flieht. Da Boonting das Geld dringend braucht, muss er es sich nun zurückerkämpfen, und rutscht durch sein aussergewöhnliches Kampftalent von einem Kampf in den nächsten…

Bis zum mehr als atemberaubenden Showdown gibt es mehrere Kämpfe mit unterschiedlichen Stilen (Karate, Boxen, Kung Fu, Bud-Spencer-Haudrauf), eine Flucht durch die Stadt, welche man auch ein Stunt-Showoff nennen könnte, ein Rennen in diesen Thailändischen Taxis mit drei Rädern, und noch mehr Kämpfe mit den Handlangern des Oberbösewichts. Wir sehen unter anderem einen 900° Drehkick (!), Rückwärts-Saltos aus dem Stand (!!) und ein Spagat, dass während dem durch-rutschen unter einem Auto angewendet wird (!!!), jede Menge Ellenbogenangriffe, brennende Beine während einem Fight, und noch zuviele atemberaubende Stunts, um sie hier alle aufzuzählen. Der pure Wahnsinn, was Phanom Yeerum alles mit seinem Körper anstellen kann.

Es ist unmöglich, das Adrenalin, dass der Film bei Actionfans erzeugen wird, in Worten auszudrücken – man muss diesen Film einfach sehen. ONG BAK hat so viele verschiedene, wundervolle Momente, die den Film zu dem Meisterwerk werden lassen, welches er ist. Um nur ein paar Namen zu nennen, die man mit dem Film verbinden sollte, da sie auf die eine oder andere Art und Weise zitiert werden: John Woo, Bruce Lee, Jackie Chan, Shenmue (Sega), Tsui Hark, Steven Seagal, Jet Li, Jean Claude Van Damme, Hwang Jang Lee, Gordon Liu…

Letztendlich hat einer der Kommentatoren von der grossen Filmdatenbank IMDb.com recht – den Film könnte man mit diesem Wort ausdrücken, wenn es eines wäre: WHOAWHOOSHWHOAWHOAWOHOHOHAAAAAA!

P.S.: Ein gigantisches Dankeschön sollte man an dieser Stelle an Luc Besson richten, den französischen Regisseur von fantastischen Filmen wie THE FIFTH ELEMENT, der die Rechte von dem Film gekauft hat und ihn in Europe dieses oder nächstes Jahr ins Kino bringen wird. Besson wird im Film ONG BAK direkt angesprochen, bei einer der Szenen in der Stadt steht auf einer Wand im Hintergrund auf thailändisch etwas wie “Luc Besson, wir sollten zusammen arbeiten.”. Auch Spielberg wird in einer Szene via Wandtext “angeredet”, und zu einem Geschäftessen gebeten – eine sehr kreative Art der Kontaktaufnahme, die einmal mehr die Liebe zum Kino und dessen Grössen zeigt. Also nicht verpassen, wenn er endlich anläuft!