Die Dolmetscherin.

DIE DOLMETSCHERIN beginnt wie ein guter Hitchcock: Ganz ruhig, ganz langsam, aber unterschwellig immer spannend. Nicole Kidman spielt die Dolmetscherin Silvia Broome, die für die UN arbeitet. Wir lernen sie direkt beim ausüben ihres Jobs kennen, bei einer grossen UN Versammlung. Doch die Versammlung wird wegen eines Sicherheitsrisikos abgebrochen. Als sie später wieder in das Gebäude zurückkehrt, da sie ihre Tasche vergessen hat, hört sie flüstern aus einem Kopfhörer. Sie nimmt allerdings nur den Satz “…der Lehrer wird den Saal nicht lebend verlassen…” wahr – und flüchtet, als sie ausversehen das Licht anmacht und entdeckt wird. Erst am nächsten Tag wird ihr klar, wer dieser “Lehrer” ist – ein afrikanischer Diktator namens Zuwanie.

Natürlich behält sie daraufhin diese Informationen nicht für sich, und macht sehr schnell Bekanntschaft mit dem Secret Service. Dieser kommt in Form von Sean Penn alias Tobin Keller – und ist anfangs eher feindlich als kooperativ. Daran ist unter anderem die afrikanische Vergangenheit Broomes Schuld – ihre Eltern wurden nämlich von Landminen jenes Diktators getötet. Doch versucht tatsächlich nur, wie ihr vorgeworfen wird, Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen, oder sind all Ihre Verbindungen zum Diktator rein zufällig?

DIE DOLMETSCHERIN hat leider als Thriller völlig gesagt. Zwar steigt die Spannungskurve immer mehr und mehr, aber der desaströs schlechte Showdown und das grauenhaft kitschige Ende schaffen es, alles wieder zu zerstören. Am Ende schlafft die Stimmungskurve plötzlich mit einem Ruck total ab, und geht auch nicht mehr hoch. Von den 128 Minuten, die der Film geht, schaffen es die letzten acht Minuten, all die schönen und intelligent konstruierten Handlungsstränge im Nachhinein absolut unwichtig erscheinen zu lassen.

Das ist sehr schade, da die Produktion des Films sehr gut ist, Kamera, Darsteller und Musik sind wirklich überzeugend. Auch Regisseur Sydney Pollack scheint alles richtig zu machen und lässt vor allem Kidman und Penn auf Höchsttouren fahren. Wenn nur das vermurkste Ende nicht wäre…

…dann hätte man DIE DOLMETSCHERIN mit gutem Wissen empfehlen können. Aber so: Warten, bis er im Fernsehen kommt.

About the author

Jakob Montrasio

2005 nach Shanghai gezogen. Firma gegründet, Filme geschrieben und gedreht. Jetzt wieder in Deutschland, mit Frau und Tochter.

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