Hwal

HWAL

HWAL ist der zwölfte Film von Kim Ki-Duk. Wer HWAL sieht und keinen seiner anderen Filme kennt, weiss danach, dass er unbedingt alle nachholen sollte. HWAL ist ein kleines, ruhiges und menschliches Meisterwerk, so viel ist klar. HWAL heisst Bogen, und um einen geht es in diesem Film. Dass man mit einem Bogen nicht nur jagen kann, sondern auch Musik machen kann, vermittelt bereits der Anfang vom Film. Mit drei Bogenschüssen kann man auch die Zukunft lesen, und diese drei Eigenschaften werden dem Bogen im Film auch dauernd abverlangt: Leute verjagen, Musik machen, Zukünfte lesen.

Die Story ist verrückt, aber im Grunde wunderschön: Ein älterer Mann (grandios: Jeon Sung-hwan) rettet ein sechsjähriges Mädchen (ebenfalls eine Meisterleistung: Han Yeo-reum) und nimmt es mit auf sein Boot. Dort verbringt er zehn Jahre mit ihr, und will sie an ihrem 17. Geburtstag auf dem Boot heiraten. Geld verdient der alte Mann damit, indem er mit einem kleinen, schnelleren Boot Leute vom Festland auf sein grosses Boot zum angeln bringt.

Dabei verlässt das Mädchen nie das grosse Boot und lebt quasi seit 10 Jahren ausschliesslich auf diesem. Am Anfang vom Film sind beide glücklich mit dieser Situation und lieben sich so. Doch dann macht der alte Mann (Sorry, aber in diesem Film gibt es keine Namen!) einen Fehler: Er bringt wieder ein paar Leute an Bord, unter ihnen allerdings einen jüngeren Mann, also jemanden, der vom Alter her viel mehr zum Mädchen passt.

Und schon haben wir den Salat… Das Mädchen will nichts mehr mit dem alten Mann zu tun haben, und der Junge versucht, sie vom Boot zu bekommen. Doch sowohl das Mädchen als auch der alte Mann sind hin- und hergerissen: Einerseits leben sie seit 10 Jahren zusammen, andererseits hat jeder ein Recht auf Freiheit.

Wie Kim Ki-Duk diese Misslage der Beiden löst, ist mehr als nur wundervoll: Es ist menschlich und einfach zum weinen schön. Mit unglaublichem Feingefühl hat er diesen Film iszeniert, und nicht eine Minute ist langweilig. Die Musik ist stark und unterstützt die Emotionen wie man es kaum zuvor gesehen hat.

Und wenn Ki-Duk dann kurz vor Schluss die Magie spielen lässt und zum ersten Mal das Element Kino in den Film lässt, dann verlässt man das Kino mit einem Lächeln und fühlt sich richtig gut.

Es gibt noch gutes, menschliches Kino, und HWAL beweist das.