Crossing The Bridge – The Sound Of Istanbul.

In CROSSING THE BRIDGE – THE SOUND OF ISTANBUL entführt uns Fatih Akin in die Türkei. Durch den Film selbst führt Alexander Hacke, Bassist von der Band EINSTÜRZENDE NEUBAUTEN. Gleich am Anfang erzählt er, dass er wegen Akins früherem Film GEGEN DIE WAND nach Istanbul reiste, um dort Musik für den Film zu finden. Damals sei er geradezu von der Stadt verführt worden, so dass er sich nochmals dorthin aufmacht, um das Geheimnis der Stadt zu lüften.

Diesesmal begleitet ihn Akin auf seiner Entdeckungsreise, und wir Zuschauer bekommen all die verschiedenen Stile mit, die Hacke entdeckt. Als erstes trifft er auf die Band BABA ZULA, bei denen er sogar spontan als Bassist einspringt. Die Band fühlt sich allerdings weder asiatisch noch europäisch, daher spielen sie auch auf einem Boot, dass auf dem Bosporus schwimmt.

Weiter geht es zu ORIENT EXPRESSIONS, die als DJs wirklich alle Kulturen abdecken müssen. “Wir können uns nicht auf asiatische oder europäische Musik festlegen” verrät uns in dieser Episode der DJ, “wir müssen alles hören und die Kulturen mischen.” Die Episode war leider sehr kurz, aber das, was man hören konnte, klang sehr, sehr abgefahren – und das ist positiv gemeint.

Die weiteren Epsioden und Besuche von Hacke führen ihn noch zu der Rockband DUMAN, die türkischen Rock spielt, zur Rockband REPLIKAS, die Gitarrenrock mit einem Intellektuellen Touch spielen; zu Erkin Koray, der maßgeblich für die Einführung von Rockmusik in der Türkei verantwortlich war; zu RAPSTAR CEZA, der türkischen Hiphop rappt, und dabei auf “Gangsta” Texte verzichtet, da er “real” bleiben will (Danke!); dann gibt es noch die ISTANBUL STYLE BREAKER zu sehen, die mit Breakdance dem Drogenkonsum entgegenwirken wollen; dann geht es über zur digitalen Musik der Band MERCAN DEDE, die moderne Clubsounds mit traditionellen türkischen Klängen verbinden; weiter geht es mit Selim Sesler, der uns Zuschauer in die türkische Musik der 50er und 60er Jahre einführt und Brenna MacCrimmon vorstellt; weiter zur Band SIYASIYA, die wohl durch Zufall beim Dreh entdeckt wurden und uns über die Strassenmusik in Istanbul aufklären – eine der interessantesten Episoden; zu Aynur, die alte Traditionen wieder aufbauen will; zu ORHAN GENCEBAY, der nicht nur Musik-, sondern auch ein Filmstar ist und sehr gut Saz spielt; zur 86-jährigen Müzeyyen Senar, die eine der letzten ihrer Art ist, wie sie selbst sagt und am Ende geht es noch zu Sezen Akzu, die die Stimme von Istanbul genannt wird und mit ihrem Endlied den Zuschauer mit einer Gänsehaut und dem Kaufdrang eines ihrer Alben entlässt.

CROSSING THE BRIDGE ist eine wunderbare Dokumentation, die dem Zuschauer genau die Zeit lässt, die er braucht, um sich mit der Musik vertraut zu machen. Der Film ist sehr schön und lebendig gefilmt, der Schnitt sauber und zum Glück völlig Effekt-frei. Alexander Hackes Führung durch den Film ist auch sehr gut gelungen und lockert zusätzlich angenehm auf. Die Musik ist so unterschiedlich und spannend wie der Film selbst, natürlich wird man nicht bei jeder Episode seinen Musikgeschmack wieder finden, aber es gab keine, die wirklich unangenehm war.

Für Fans von orientalischer Musik ist CROSSING THE BRIDGE absolut zu empfehlen. Auch Freunde der türkischen Kultur sollten sich diese wunderbare Dokumentation auf keinen Fall entgehen lassen!

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