Batman Begins.

Posted on 15.06.2005

Gestern nacht um 3 Uhr morgens bei dem verlassen des Cinemaxx Mannheim war es wieder da, dieses komische Gefühl. Nach MATRIX RELOADED und KILL BILL VOL. 2 hatte ich es auch schon: extreme Unzufriedenheit. BATMAN BEGINS ist lange nicht so perfekt, wie viele Kritiker behaupten, und wie es die Vorschau vermuten lässt.

Roger Ebert, der vielleicht wichtigste Kritiker der USA, hat dem Film volle 4 Punkte – das Maximum – gegeben. Völlig unverständlich! Klar, BATMAN BEGINS ist unterhaltsam und relativ sehenswert, aber ein Meisterwerk ist es noch lange nicht. Ich habe mich geärgert, als Schuhmacher den seltsamen BATMAN FOREVER ins Kino gebracht, und auch ich habe innerlich geweint, als er mit BATMAN & ROBIN der Serie den Todesstoß gegeben hat. Aber Nolan belebt ihn nur wieder, und lässt ihn nicht neu auferstehen.

Extremer Realismus, Menschlichkeit und Ernsthaftigkeit! – dies muss der Plan von Christopher Nolan gewesen sein, als er mit den Dreharbeiten begann. Doch gegen Ende des Films, wenn man im Minutentakt von Explosion-Bass-Effekten penetriert wird, siegt das Geld aus Hollywood über den Verstand des Regisseurs. Die erste Hälfte des Films ist wirklich gut gelungen, und zeigt den jungen Bruce Wayne und die bekannte Tragödie mit seinen Eltern. Vom Joker werden diese in BATMAN BEGINS allerdings nicht umgebracht, sondern von einem Wirtschaftcrash-Opfer.

Der Film beginnt mit Wayne, Mitte zwanzig, und wie er irgendwo in Asien nach der Lösung seiner Probleme sucht. Blöderweise schliesst er sich ein paar Verbrechern an, und landet in einem Gefängnis. Dort gerettet wird er von Ducard, der ihn zu irgendeinem mysteriösen Anwesen auf dem Gipfel eines Eisberges bringt. ELEKTRA lässt hier auf komische Art und Weise grüssen. Dort wird er ausgebildet in der Kampfkunst der Schatten oder so etwas, ist eigentlich nicht wirklich wichtig. Auf jeden Fall entpuppen sich diese Leute dann als Gerechtigkeitsterroristen, Bin-Laden lässt grüssen, und Wayne haut ab.

Zurück in Gotham City geht es dann los, nach und nach Entwickelt sich Batman, kämpft hier und da, und am Ende kommt der Showdown. Nichts neues hier, das war bei allen anderen Teilen auch schon so – ist auch alles fast in Ordnung. Nur der Showdown erinnert stark an Spider-Man. Kommen wir nun zu den Kritikpunkten.

Erstens: die Kampfszenen. Entweder muss Nolan völlig verrückt gelaufen sein, oder das Studio ist dafür verantwortlich. Wie dem auch sei, bei den Kampfszenen hat man genau überhaupt keinen Spass, da die Kamera einen halben Meter vor den Figuren steht und man ab und zu mal einen Arm oder ein Bein durchs Bild blitzen sieht. Was soll denn das? Kann man denn nicht einfach die Kamera fünf Meter zurückziehen und den Kampf aus der Totale zeigen? So dass man auch sehen kann, was gerade passiert? Und dazu der hektische Schnitt – so nicht.

Zweitens: der Pseudo-Realismus. Entweder oder. Aber nicht so. Man kann nicht auf der einen Seite alles genau erklären, alles irgendwie realistisch erscheinen lassen, und dann in den Actionszenen ein drei Tonnen schweres Batmobil von Dach zu Dach hüpfen lassen. Das ist extrem unausgewogen und macht immer wieder den aufgebauten Realismus kaputt.

Drittens: die Gegner. Ken Watanabe als Ra’s Al Ghul kann noch so oft seine Augenbraunen hochziehen und sein Bärtchen noch so lange wachsen lassen, aber wirklich böse wirkt er nicht. Und ihm dann auch noch so ein Samurai Schwert in die Hand zu drücken, war der grösste Fehler: Das Publikum kennt ihn doch nur aus DER LETZTE SAMURAI, warum geben die ihm hier bloß eine so ähnliche Rolle? Und Scarecrow, noch so ein Patient. Zwar ist die Rolle mit Cillian Murphy, den man aus 28 DAYS LATER kennen sollte, sehr gut besetzt, aber seine zweite Identität als Scarecrow zieht nicht wirklich. Seine Dr. Jonathan Crane Figur auf der anderen Seite ist interessant und sticht irgendwie aus all den Klischeefiguren hervor. Aber am allerschlimmsten ist Liam Neeson als Ducard, der auch nicht wirklich böse ist und man die ganze hofft, dass er einfach mal nachdenkt, bevor er handelt. Am Anfang, als er Bruce rettet, redet er die ganze Zeit philosophisch und intelligent rum, nur um am Ende dann eine absurde, irgendwie gegensätzliche Rede zu halten. Funktioniert so nicht!

Viertens: die Stadt. Das ist nicht das Gotham City aus den Comics. Das ist eher ein Mix aus New York und Kalkutta. Zwar sind einzelne Elemente, wie zum Beispiel gotische Dächer vorhanden, aber die Gothams von Burton und Schuhmacher waren besser, stylisher und dichter.

Ein Lob muss man an die Schauspieler aussprechen, allen voran natürlich Christian Bale: Er passt perfekt und macht seinen Job verdammt gut. Bale ist genau der Richtige für diese Rolle. Und Michael Caine als Alfred ist auch wunderbar, ebenso Morgan Freeman als Lucius Fox, dem man allerdings ruhig mehr Szenen im Film hätte geben können. Katie Holmes als Staatsanwältin Rachel Dawes überzeugt auch. Eigentlich waren alle Schauspieler sehr gut besetzt – an ihnen kann man kaum Kritk ausüben.

Die Aufnahmen sind auch eindrucksvoll: Der Anfang in Tibet oder wo auch immer das sein mag, die Stadt, die Verfolgungsjagd (auch wenn sie ein wenig an die TV Serie COPS erinnert)… Nur die Actionszenen sind, wie gesagt, grauenhaft. Aber ansonsten haben der Kameramann und vor allem auch die Set-Designer tolle Arbeit geleistet. Das Batman-Feeling wird hier gut umgesetzt.

Nochmal zurück zu Regisseur Nolan: Mit dem Low-Budget Film MEMENTO hat er auf sich aufmerksam gemacht, ein toller Film, und das Psychospiel von Robin Williams und Al Pacino in INSOMNIA war ein Meisterwerk. Die Qualität von INSOMNIA hat BATMAN BEGINS auch zu Anfang, bis der Gotham-Teil beginnt.

Hier verliert sich der Regisseur in hektischen, langweiligen und sogar unerklärlichen Action-Sequenzen, und die kleinen Gags und coolen Sprüchen, ganz im Comic Stil, wirken meist deplatziert und wahllos. Da wünscht man sich fast, Nolan hätte weniger Geld zur Verfügung gehabt und sich weiter so konsequent auf die Charaktere konzentriert.

Letztendlich erfüllt BATMAN BEGINS die Erwartungen nicht, er hat seine Momente und lohnt sich auch im Kino zu sehen, aber die Erwartungen sollte man stark zurückschrauben. Bleibt nur zu hoffen, dass Batman das gleiche Schicksal wie Spider-Man widerfährt – und der zweite (bzw. sechste) Teil den ersten um Längen schlägt. Denn das Ende lässt einen zweiten Teil nicht nur vermuten, sondern zeigt auch schon den neuen Gegner…


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