Gedanken machen? Nein!

Gestern habe ich einen meiner ältesten Freunde getroffen, und ihm von meinem Aufenthalt in Shanghai erzählt. Zwar freute er sich für mich, fing aber auch an – für ihn typisch – Fragen zu unangenehemen Möglichkeiten stellen. Was ich mache, falls ich mich plötzlich in einem Folterkeller wiederfinde, und mir dauernd Wasser auf den Kopf tropft? Ich hab keine Ahnung. Ich gehe einfach mal davon aus, dass das nicht passiert.

Die Frau von einem Bekannten von mir hat über fünf Jahre in China gelebt, und wirklich unangenehmes Zeug mitbekommen. Ist aber auch schon etwas länger her, in den 80ern sollte das gewesen sein, schätze ich mal. Als ich sie fragte, ob es eine arg schlechte Idee sei, meine riesige Videokamera nach Shanghai mitzunehmen, fing sie allerdings an zu lachen, und versicherte mir, dass ich überhaupt keine Probleme deswegen bekommen würde. Das erleichterte mich.

Andererseits hat mir einer der Mitarbeiter im Büro in Shanghai via Chat gesagt, dass wir nach meiner Ankunft als allererstes zur deutschen Botschaft gehen und mich dort registrieren, falls man das so sagt. Die sollen einfach von meiner Anwesenheit in China wissen, sagte er. Sehr beruhigend…

Nun gut, ich bin wirklich mal gespannt, ob sich dieses doch ziemlich unheimliche Bild von China rechtfertigen wird. Ich meine ja nur, die Horrorgeschichten über China sind alt, und viel soll sich in der Zwischenzeit geändert haben. Und Shanghai ist eine Weltmetropole, ich höre jetzt auf, mir Gedanken über solche Horrorvisionen zu machen. Das Schlimmste, was mir passieren könnte, ist doch sowieso die wundervoll gehypte Vogelgrippe.

Und falls alle Stricke reissen, und man tatsächlich eine tote Prostituierte bei mir findet, absolvieren Jérôme und Ben einfach ein kleines KSK-Training und holen mich mit einer Suicidal-Mission schnell wieder aus dem Land.

Oder, Jungs?

About the author

Jakob Montrasio

2005 nach Shanghai gezogen. Firma gegründet, Filme geschrieben und gedreht. Jetzt wieder in Deutschland, mit Frau und Tochter.

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