Party. Oder: Nicht gehen lassen!

Posted on 12.11.2005

Die bisherigen Abende in der Stadt waren nichts, aber auch gar nichts im Vergleich mit gestern Abend, Freitag: Einfach noch mal mindestens doppelt so viele Leute unterwegs. Unglaublich. Zuerst gingen wir zu Nick, der uns wegen des Geburtstages seiner Tochter zum Essen eingeladen hatte. Eigentlich war das schon für Montag geplant, wurde aber auf Freitag verlegt, was wiederum Alfredos Verabredungszeitplan durcheinander geworfen hat, so dass wir gegen zehn wieder Richtung Innenstadt fuhren.

Ich musste allerdings nochmal im Büro vorbei, da es bei Nick wieder Krabben gab, und ich mir beim aufbrechen dieser schön viel gelbe Sauce auf mein weisses Hemd gespritzt hatte… Damn!

War im Grunde nicht schlecht, denn so konnte ich mir nochmal einen Espresso reinkippen. Und den hatte ich dringend nötig, da mein Alkoholpegel schon relativ hoch war! Denn bei Nick gab es nicht nur leckeres Essen, sondern auch irgendeinen 65%igen Schnaps, der mir völlig die Socken ausgezogen hat. Total süß und soft, aber gradezu bösartig in der Auswirkung, das Zeug.

Dann ging es los Richtung Bar. Kaum hatte ich das Büro verlassen und war 200 Meter in den Park gelaufen, durch den man läuft, wenn man zu den Bars will, wurde ich auch schon angesprochen. “Do you want massage?” Huch. “No, thanks.” “Sex?” Äh? “No, thanks! I’m fine.”

Ja. Das war dann die erste Begegnung mit einer sogennanten “einfachen Frau”. Und es war nicht die Letzte. Oh, nein, nein, danach wurde es nur noch schlimmer.

Bis ich bei der Bar ankam, war ich fast schon abgehärtet. Einfach “No, thanks.” sagen und weiterlaufen. Ist im Grunde das Gleiche wie auf dem Markt für gefälschte Sachen. Das Problem ist nur, dass das keine Männer sind, die dich anreden, sondern teilweise auch verdammt schöne Frauen! Das tut fast weh, wenn dich jemand so hübsches anguckt und dann so etwas fragt. Scheisse, das ist irgendwie nicht richtig. Andererseits muss man bedenken, dass im 20. Jahrhundert zeitweise über 50% der Frauen in Shanghai Prostituierte waren… Es ist halt so. Es war immer so, es wird wohl immer so bleiben. Tradition, sozusagen. Trotzdem kein Grund, mich gehen zu lassen.

In der Bar, die eher ein Jazz Club war, habe ich dann gemerkt, dass die Chinesen gerne Party machen und richtig abfeiern. Alle total voll, am tanzen, lachen und anmachen. Cool. Und das Publikum war erstaunlicherweise ziemlich gemischt: Rund 30% der Leute waren Ausländer. Wow. In der Jazz Bar haben wir dann ein paar Bier gekippt und sind anschliessend weitergezogen. Als nächstes gingen wir in einen richtig coolen House-Club, wo es auch endlich mal gute Musik gab. Joolz, hier findest du sofort einen Job als DJ! Hier gab es schon deutlich mehr Ausländer, von denen einige sichtlich gekommen waren, um einfach Frauen abzuschleppen. Amerikaner, Inder, was weiss ich, was ich alles für Sprachen raushören konnte. Und dann beging ich einen grossen Fehler: Ich war schon ziemlich voll, als eine Dame auf mich zukam und mit mir anstossen wollte. Und ich habe angestossen. Oh, no! Es hat bestimmt eine Viertestunde gedauert, diese Dame wieder abzuwimmeln.

Nachdem der Club langsam leerer wurde und der Uhrzeiger gnadenlos auf die Drei zusteuerte, packten wir unsere Sachen und liefen zum “Park 97”, einem richtig angenehmen Club, 5 Minuten von unserem Büro entfernt. Dort hatte ich bereits während der Woche einen sehr netten italienischen Koch kennen gelernt, der uns bereits mit Wein an der Bar erwartete. Oh Gott. Nicht mischen, sonst hängst du wieder über dem Klo. Also nichts mehr getrunken, ein bißchen rumgechillt und ab nach Hause.

Was für ein Abend! Aber er verlief doch sehr gut, und ich habe viel dazugelernt.


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