Nanjing: Stadt mit heftiger Vergangenheit.

Bin gestern sehr spät von einem zweitägigen Trip nach Nanjing zurückgekommen, habe heute morgen einen Freund am Flughafen abgeholt – daher komme ich erst jetzt zum schreiben dieses Berichts. Vorgestern sind wir also zu zweit nach Nanjing gefahren, ein Freund aus New York hatte uns zum essen eingeladen, also haben wir beschlossen, über Nacht zu bleiben und uns einen Tag lang die Stadt anzusehen.

Nanjing wirkte auf mich wie eine kleine, etwas ärmere Version von Shanghai. Klar, der Palast vom Präsidenten war einzigartig, aber Downtown selbst hätte ich nicht wirklich von Shanghai unterscheiden können. Eigentlich wollte ich jetzt hier unheimlich wichtiges, historisches Zeug über die Stadt schreiben, aber da Wikipedia geblockt zu sein scheint, kann ich das nicht. Also guckt einfach selber nach…

Neben einem ausgiebigen Shopping und dem Tempelbesuch hatten wir ausserdem Zeit, uns das Nanjing Massacre Museum anzusehen. Wer den Hintergrund nicht kennt: 1937 sind die Japaner während des zweiten Weltkrieges in Nanjing eingefallen (damaliger Staatssitz, falls ich mich nicht irre) und haben relativ wahllos Kriegsgefangene und Zivilisten umgebracht. Männer, Frauen, Kinder, einfach alles. Um die 300.000 Chinesen sollen hier gefallen sein…

Daher auch der Hass auf Japaner von den Nanjingianern. Denn Japan hat sich nie offiziell für diese Aktion entschuldigt. Im Museum durfte man keine Fotos schiessen, aber um ehrlich zu sein, wäre ich dazu auch nicht in der Lage gewesen. Ich hatte so ziemlich das gleiche Gefühl wie bei der Besichtigung eines KZs vor ein paar Jahren – und das war alles andere als angenehm. Die Bilder selbst sind schon brutal, aber das Härteste kam gleich am Anfang: Man betritt das Museum, und läuft im Freien um einen riesigen Platz herum, der abgesperrt ist und auf der Oberfläche grosse Kieselsteine hat. Man fragt sich: Was ist das denn? Dann läuft man weiter, ein paar Treppen hinab, und sieht durch ein Fenster einen Querschnitt dieses Platzes: Alles voll mit Knochen. Ein gigantisches Massengrab, einfach schrecklich.

Nach diesem Besuch waren wir dann auch fertig mit den Nerven und sind wieder in die laute, bunte Welt von Shanghai zurückgekehrt. Es ist schon verrückt, wie viel unterschiedliche Gegenden man um Shanghai herum entdecken kann…