Hiobsbotschaft.

Ich ziehe nach Shanghai.

Engen Freunden hatte ich es schon angedeutet, aber es wird Zeit, diese Nachricht mit allen zu teilen.

Eins vorweg: Ich hatte bei noch keinem Eintrag auf meinem Blog so viel Probleme, die richtigen Worte zu finden, wie bei diesem. Verzeiht mir, falls ich mich komisch ausdrücke, aber es fällt mir schwer, das ganze “einfach so” runterzubloggen.

Wenn man jemanden kennen lernt, sich verliebt, jede freie Minute mit dieser Person verbringen will und die Gefühle über inzwischen zwei Monate immer stärker und stärker werden, überlegt man sich ernsthaft, ob man diese jemals wieder verlieren will. Nun, ich nicht.

Wie schon der weise Raul West in einem Kommentar gesagt hat, wäre es völlig wahnsinnig, sich bereits nach so kurzer Zeit fest zu liieren und zu heiraten. Ein paar Monate reichen in der Tat nicht, um eine Existenz zusammen aufzubauen. Da hat er natürlich Recht, und das will ich auch gar nicht. Und meine Freundin ebensowenig.

Aber! Sollte man denn nicht alles einem in der Macht stehende tun, um herauszufinden, ob man tatsächlich die Liebe seines Lebens gefunden hat? Sollte man nicht das Risiko eingehen, zusammenzuziehen und auszuprobieren, ob man richtig kompatibel ist? Ob man sich auch dauerhaft gut versteht und liebt? Über einen langen Zeitraum? Ich denke, das sollte man.

Mein Gefühl sagt mir deutlich: Tu es. Sie ist es wert. Niemand hat dich jemals so glücklich gemacht wie sie. Tu es.

Wie soll man denn sonst sicher sein? Soll man sich von einem anderen Land, einer anderen Kultur abschrecken lassen? Von einer neuen Stadt, die jeden Tag aufs neue faszinierend ist? In der man sich wohl fühlt, und merkt, endlich am Leben zu sein? Nein!

Klar, noch nie habe ich mit einer Freundin zusammengewohnt, geschweige solche ernsthaften Zukunftsvisionen gehabt, aber bei dieser Beziehung ist sowieso alles anders. Irgendwann in der Zukunft, wenn diese Beziehung entweder richtig fest oder nichtig ist, werde ich jeden einzelnen Tag davon von Anfang an niederschreiben. Dann wird auch der letzte Ungläubige meine Taten verstehen. In meinem ganzen Leben habe ich noch nicht in einem so kurzen Zeitraum so viele wertvolle Erfahrungen gesammelt. Aber im Moment bin ich noch nicht bereit dafür.

Ich hoffe einfach, das meine Freunde und Verwandte verstehen, warum ich das tue. Warum ich bereit bin, alles für sie zu tun. Meine Heimat Heidelberg zu verlassen. Ein neues Leben, mehr oder weniger, zu beginnen. Ich bin noch jung, aber ich frage mich schon jetzt, ob ich solche Gefühle jemals wieder finden könnte, falls ich sie verliere. Nur weil ich nicht bereit bin, dem Ganzen eine ernsthafte Chance zu geben? Das wäre das mit Abstand Dümmste, was ich jetzt tun könnte. Mich abschrecken zu lassen. Das werde ich nicht tun.

Vielleicht liege ich falsch. Vielleicht richtig. Wer weiss das schon? Alle, die mich jetzt wieder als amok und verrückt beschimpfen, haben vielleicht einfach (noch) nicht so viel Glück bei einer Frau gehabt wie ich? Das weiss niemand. Also spart euch weitere Kommentare dazu, die werden glücklich lachend ignoriert. Die Liebe ist ein Thema, über das man eigentlich nicht richtig diskutieren kann. Jeder fühlt anders. Jeder denkt anders. Jeder liebt anders. Genau das gleiche wie mit Musik, Film, Kunst…

Anfang Februar komme ich, nach wie vor, nach Deutschland zurück, für etwa einen Monat, um meine Sachen zu packen, ein paar Dinge zu erledigen, und natürlich, um mich von allen zu verabschieden. Ob, wann und wo es eine Abschiedsfeier oder so einen Blödsinn geben wird, weiss ich jetzt noch nicht.

Und noch etwas: Ich war mir in meinem ganzen Leben noch nie über eine Sache so klar, wie diese. Ich folge meinem Herzen, meinen Gefühlen und meinem Verstand, und das ist das einzige, was in einer solchen Situation Sinn macht. Und nicht den Kommentaren anderer Leute.

Und: Ich bin glücklich.