Angel-A.

Posted on 14.05.2006

Oh mein Gott. Dass Luc Besson seit “The Messenger: The Story of Joan of Arc” im Jahre 1999 bei keinem Film mehr – bis Angel-A nun – Regie geführt hat, erwähnte ich bereits in meinem Bandidas Review. Aber bei wie unglaublich vielen Filmen er in den sechs Jahren Abwesenheit als Produzent oder Co-Produzent an Bord war, ist mir erst seit einem Blick in sein IMDb Profil klar:

Taxi 2, The Dancer, Exit, 15 août, Kiss of the Dragon, Wasabi, Chaos and Desire, Peau d’ange, Blanche, The Transporter, Ong-bak, Rire et châtiment, Taxi 3, Happiness Costs Nothing, I, Cesar, Tristan, Fanfan la tulipe, Les Côtelettes, High Tension, Cheeky, Michel Vaillant, Crimson Rivers 2: Angels of the Apocalypse, À ton image, Mensonges et trahisons et plus si affinités…, New York Taxi, B13 – Banlieue 13, Danny the Dog, Ze film, Le Souffleur, Akoibon, Nordeste, Imposture, The Three Burials of Melquiades Estrada, Au suivant!, Transporter 2, Revolver, Entre ses mains, Colour Me Kubrick, Bunker paradise und La Boîte noire.

Ich zähle 40 Filme. 40! In sechs Jahren! Von denen circa 10 international groß liefen und ich sogar einen beim Festival de Cannes gesehen habe, The Three Burials of Melquiades Estrada von Tommy Lee Jones. Der Mann hat sich seit der Trennung von seiner Frau Milla Jovovich ganz schön beschäftigt gehalten. Vielleicht wird er jetzt wieder ruhiger, wo er in dem dänischen Topmodell Rie Rasmussen eine neue Muse gefunden hat? Kommen wir zur Story des Films.

André (Jamel Debbouze) kann sich nicht mehr auf die Straße trauen. Zu lange hat sich der kleinwüchsige Marokkaner mit seinen Gaunereien durchs Leben geschlagen, jetzt ist die Geduld seiner Gläubiger endgültig am Ende. Was tun? André sieht nur noch eine Lösung: die Seine. Doch gerade als er sich von einer Brücke ins Wasser stürzen will, entdeckt er auf der Brüstung eine Frau (Rie Rasmussen), die offensichtlich das Gleiche vorhat. Als sie tatsächlich springt, zögert André keine Sekunde und rettet sie. Die schöne Angela mit den endlos langen Beinen heftet sich fortan wie eine Klette an den glücklosen André, und wie durch ein Wunder scheint sich seine Pechsträhne plötzlich ins Gegenteil zu wandeln. Könnte seine Begegnung mit der geheimnisvollen Blondine, seinem rettenden Engel, am Ende gar kein Zufall gewesen sein?

„Ein Mann trifft eine Frau in Paris“ – so knapp fasst Luc Besson selbst die Geschichte seines neuen Films zusammen. Oberflächlich gesehen, ist das auch irgendwie richtig. Doch geht man etwas tiefer, entdeckt man viel mehr: Die Wandlung der Figur André vom kleinen, hilflosen Gauner, der sich selbst aufgegeben hat, zum Menschen André, der eigene Ziele entdeckt, der Mut entwickelt, der sich mit Hilfe von Angela wieder aufbaut. Und all die schönen Gegenden, in denen die Story abläuft, das Postkarten Paris, so perfekt und schön, in welches André anfangs gar nicht und später immer mehr passt.

Und Angela, dieser Engel, den sich jeder an seiner Seite wünscht, der Engel, der André die Alternativen zu seinem Untergang aufzeigt, der Engel, der zeigt, dass man manchmal eben Schreckliches tun muss, um aus der Klemme zu kommen – oder eben auch nicht?

Es ist schwierig, den Film zu analysieren, ohne zu viel zu verraten. Der Film ist sehr untypisch für Besson, sehr ruhig, fast ohne Action, sehr am Boden und nur durch Andrés Darsteller Jamel Debbouze teilweise komisch. Aber der Film erzeugt, wenn man in der richtigen Stimmung ist, dieses unglaubliche Gefühl, alles bewältigen zu können, alle Probleme zu beseitigen, glücklich zu werden, wie es nur wenige Filme vermögen.

Wenn André am Ende vom Film zum zweiten Mal von der Brücke springt, aber diesmal nicht, weil er sich umbringen will, sondern weil er endlich einen Grund zum Leben gefunden hat, dann hat der Film komplett die Seite Andrés gewechselt, dann ist seine Metamorphose komplett. Fast wie ein Schmetterling erscheint er plötzlich, und man wünscht sich, dass man auch mal in nur einem Tag genau das Gleiche erleben darf.

Luc Besson ist zurück, verkünde ich mit viel Freude! Und er ist wesentlich tiefgründiger und erwachsener geworden. Was für ein Unterschied dieser Film zu seinen früheren Werken ist, unglaublich. Man erinnere sich an Spielberg, und wie er 1993 nicht nur Jurassic Park, sondern auch Schindlers Liste ins Kino brachte – nach der Taxi und Transporter Serie von Besson fällt es schwer, nicht diesen Vergleich dazu aufzubringen. Natürlich ist Angel-A kein Epos wie Schindlers Liste, geschweige denn beruht es auf einem historischen Ereigniss, aber der abrupte Wandel von Popcorn-Actionkino zu einem sanften Film wie diesen ist ähnlich.

Warten wir auf Bessons nächste Filme, bei denen er wieder Regie führen wird. Dieses Jahr kommt von him ein Animationsfilm, Arthur and the Minimoys. Später werden wir dann sehen, ob Besson der europäische Spielberg wird…


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