Taxifahrerversionen oder Wie ich lernte, vier Sterne zu lieben.

Posted on 30.05.2006

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Wie ich nach und nach herausgefunden habe, gibt es in Shanghai vier verschiedene Arten von Taxifahrern.

Zombies, circa 70%.

Zombiefahrer realisieren in etwa, wo du hin möchtest. Sie haben allerdings kein Zeitgefeühl und hören auch keine Nachrichten oder ähnliches. Die Chance, mit einem Zombie bei einer längeren Fahrt im Stau zu landen, liegt bei 100%. Zombiefahrer reden nicht viel, haben oft eine Sonnenbrille auf und öffnen ab und zu an roten Ampeln die Tür, um herauszuspucken.

Normale, circa 20%.

Normale Taxifahrer haben öfters ältere Automodelle. Die Unbequemheit des Sitzens machen sie durch leichtes Mitdenken wieder wett: Immerhin erinnern sie sich nach Jahrzehnten des Fahrens, auf welchen Hauptstrassen man zur Rush-Hour zwischen 7-9 Uhr morgens bzw. 16-18 Uhr abends nicht fahren sollte. Daher ist die Chance, mit einem Normalen im Stau zu landen, nur bei 50%. Normale rauchen meistens, sind über 40 Jahre alt und versuchen, mit dir zu kommunizieren. Manche sprechen sogar ein paar Wörter englisch.

**** oder *****, circa 3%.

6 Monate in Shanghai, und nur ein einziges Mal habe ich wirklich ein Taxi mit fünf verdammten Sternen gesehen. Die sind so selten wie ein Lottogewinn. Wenn man dann aber eins erwischt, braucht man sich quasi nur reinzusetzten und das Ziel zu nennen; der Fahrer wird dich in absoluter Rekordgeschwindigkeit, ohne Umwege und Staus ans Ziel bringen. Daher ist die Stauchance für fünf Sterne Fahrer 0%, für vier Sterne Fahrer 5%. Diese Arten von Fahrern sind, wie gesagt, sehr rar, wurden wohl im Taxi geboren und kennen jede Strasse in Shanghai. Jede. Auch die, die es mal gab, und die, die es erst noch geben wird. Guckt diesen Fahrern niemals direkt in die Augen, raucht in diesen Taxen nicht, und gebt ihnen ein paar Quai Trinkgeld. Die Stadt braucht mehr von ihnen!

Arschlöcher, circa 7%.

Der wahre Abschaum unter den Fahrern, und dazu auch noch oft ohne Lizenz: Taxen, die dich an Hotspots abfangen (also an Orten, wo es kaum möglich ist, ein Taxi zu bekommen, weil zu viele Leute gleichzeitig eins wollen), und dir anbieten, dich für einen exorbitanten Preis zu deinem Ziel zu fahren. Oder, nachdem sie deinen Zielort gehört haben, und es ihnen nicht lukrativ genug erscheint, einfach wegfahren. Und das ist die nette Version von diesen Bastarden. Die richtig assoziale Version lässt dich einsteigen, fährt ein Stück, bis man auf einer abgelegenen Strasse ist, und fängt dann an, mit dir zu verhandeln. Dann hast du zwei Optionen: Dich brutal abrippen zu lassen, oder auszusteigen, und den ganzen Weg zurückzulaufen, um ein anderes Taxi zu finden. Mir ist das genau einmal passiert, und da waren meine Mutter, meine kleine Schwester und mein kleiner Bruder im Taxi – grade mit dem Flugzeug angekommen, gut gejetlagged und mit zwei Koffern. Da entscheidet man sich dann natürlich für das abrippen, um nicht alle anzupissen. Aber das passiert natürlich nur mit Ausländern, und natürlich nur, wenn der Taxifahrer genau weiß, dass er jetzt gewinnen wird. Diese Arschlöcher kommen direkt aus der Hölle, fahren dann auch noch so beschissen wie Zombies, sind unfreundlich und halten dann auch noch zum am-Strassenrand-pissen an, ohne das Taxometer zu pausieren. Die Nutten unter den Taxifahrern. Der Scum. Dreck.

Aber: Rache ist süß, ihr blöden Hurensöhne! Und man sieht sich immer zweimal im Leben.


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