.45

Milla Jovovich hat sich in den 90ern als fünftes Element etabliert und ist seit den “Resident Evil” Verfilmungen auch Horrorfans bekannt. In dem Drama .45 zeigt sie nun ihre ungeschminkte, schlampige und verletzliche Seite. Sie spielt Kate, die ihrem grobschlächtigen, großmäuligem und gewalttätigem Freund Big Al (grossartig: Angus Macfadyen) bei seinen kleineren Verbrechen hilft, etwa dem illegalen Verkauf von Pistolen oder geklauten Toastern. Doch ihr kleines, angenehmes Verbrecherleben zwischen Bett, Bar und Kunden hat ein abruptes Ende, als sie sich auf einen blöden Deal einlässt und ihren Freund hintergeht. Big Al findet es natürlich heraus und verprügelt sie fast zu Tode. Mit der Unterstützung von ihrem Freund Reilly (Stephen Dorff), ihrer lesbischen Freundin Vic (Sarah Strange) und der Sozialarbeiterin Liz (Aisha Tyler) schmiedet Kate daraufhin einen Plan, um sich endgültig von Big Al trennen zu können… Ein Film, der mit dem Satz “Big Al hat einen riesigen Schwanz” beginnt, geht ein großes Risiko ein. Denn auf der einen Seite lacht man sich kaputt über die extrem echte und drastische Sprachweise der Darsteller, auf der anderen Seite wird man dann plötzlich mitten im Film mit einer unglaublich schockierenden Verprügelungs-Szene konfrontiert, dass einem so richtig das Lachen im Hals stecken bleibt. Der Film schwankt stark zwischen augenzwinkernden Dialogen und brutalstem Realismus. Und dass Gary Lennon bei .45 zum ersten Mal auf dem Regisseurstuhl sitzen durfte, kann man dadurch fast sehen – denn wie bei begabten Jungtalenten üblich, sprudelt der Film auch noch nur so mit kreativen Ideen über. Da sind die urkomischen Interview-Einlagen, während welcher die Darsteller direkt den Zuschauer ansprechen und Hintergrundinformationen zu Big Al und Kate geben, da sind die feinen Details von Big Als Verhalten… Lennon hat nicht nur ein tolles Drehbuch geschrieben, er hat auch einen feines Gespür für Komik und Realismus. Noch etwas ungeschliffen, aber es ist auf jeden Fall da. Somit ist .45 ein solides Drama, an der einen und anderen Stelle noch etwas zu unharmonisch, aber definitiv sehenswert.