Microsofts HoloLens: Die Zukunft wird Gegenwart.

Irgendwie seltsam mit der HoloLens.

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Sobald Apple einen Stift für 100 Euro vorstellt, bloggt jeder darüber, und man kann sich vor Memes auf 9GAG kaum retten. Doch entwickelt man eine Revolution in der Computerwelt, und heißt dazu noch Microsoft, scheint das keinen mehr zum jubeln zu bringen. Hat Microsoft sich mit Windows und den fehlgeschlagenen Lumia Handys so ins Abseits befördert, dass alles nur noch belächelt wird? Schade!

Denn die Microsoft HoloLens wird unsere Art der Computernutzung und Eingabe verändern, für immer. Versuche ich mit Freunden oder Verwandten damit ins Gespräch zu kommen, wird schnell immer wieder über die Oculus Rift geredet. Doch das ist falsch! Die Oculus Rift und HoloLens verfolgen zwar ähnliche Ziele, die Virtual Reality eben, aber haben dabei komplett andere Ansätze. Ich versuche mal, es so einfach wie möglich zu erklären.

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Oculus Rift

Die Oculus Rift ist eine geschlossene Brille. Das heißt, nachdem man sie aufgesetzt hat, sieht man exklusiv die virtuelle Realität. Kann man mit einem aktuellen Handy und einer Google Cardboard Brille übrigens auch billig mal ausprobieren. Das ist toll, denn die Immersion ist immens, und mit passenden Surround-Kopfhörern kann man vollends in diese Welt abtauchen.

Die Rift nutzt für die Kopfbewegungen eine Art Gyroskop, wie es auch in Handys zur Ortung, Navigation und andere Apps eingesetzt wird. Die Rift kann, wie ein Handy, “live” tracken, wohin man grade guckt bzw. den Kopf dreht. Die Software gibt das an den PC / die Konsole weiter, und die Grafikkarte dort berechnet und gibt diese Daten an die Rift zurück.

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Microsoft HoloLens

Microsofts HoloLens ist eine offene Brille. Sie sieht das Blickfeld des Betrachters und mehrere in der Brille verbaute Kameras berechnen die Räumlichkeit, in der man sich befindet. Sie macht quasi einen 3D Scan vom Raum, in dem der Nutzer ist. Sie erkennt Wände, Böden, Türen etc. – alles wird in 3D ins System gegeben. Hier merkt man schon den ersten, gigantischen Unterschied zur Oculus Rift: Die HoloLens integriert sich in die Realität, und “verändert” diese digital. Sicherlich wird es auch möglich sein, die HoloLens für Anwendungen wie bei der Rift zu nutzen. Doch sie kann dank des transparenten Sichtfeldes so viel mehr!

Der sich in der HoloLens befindende Computer – deswegen kostet die HoloLens auch deutlich mehr als die Rift, denn sie hat einen kompletten Computer eingebaut – hat neben den üblichen Komponenten eine Neuheit namens HPU. Diese Abkürzung ist zum einen an den CPU angelehnt, steht aber für Holographic Processing Unit. Zu behaupten, ich würde mich damit auskennen, wäre unverschämt, aber zumindest kann ich mir dank meiner Erfahrung als Filmemacher vorstellen, was diese Unit macht: Sie misst in Echtzeit den Raum in 3D, um genau Abstände an den Computer weiterzugeben, damit dieser die 3D Daten korrekt berechnet grafisch vor das menschliche Auge projiziert, und sich das 3D Bild harmonisch in den Blickwinkel des Nutzers einfügt.

Das ist ein unglaublicher Rechenaufwand, in der Filmwelt erledigt man so Aufgaben mit einer Software wie After Effects. Eine 1080p Full-HD Aufnahme 3D zu tracken und zu bearbeiten, geht dort nicht in Echtzeit – das Material muss Bild für Bild durchgeguckt und jede Änderung berechnet werden. Eine Analyse von 10 Sekunden dauert oft etwa eine Minute.

Und die HoloLens macht das, dank des HPU und den sich an Bord befindenden Kameras in Echtzeit. Alleine diese Funktion hätte ich mir vor fünf Jahren noch nicht vorstellen können.

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Spinnen wir doch mal ein bißchen rum, als Gamer freue mich besonders auf die Brille. Vielleicht wird ja Capcom irgendwann mal ein Resident Evil VR rausbringen, welches sich dynamisch auf die HoloLens anpasst. Dann könnte man zum Beispiel sein ganzes Haus in 3D für die Brille scannen, und anschließend wird es zu einem Resident Evil Level umgebaut, und man kann in den eigenen vier Wänden auf Zombiejagd gehen.

Wie geil wäre das denn?

Oder bei langweiligen Autofahrten als Beifahrer muss man mit einer MG auf vorbeifliegenden Aliens schießen. Im Garten kann man Plants versus Zombies in Ego-Perspektive spielen. Im Wald kann man Predators jagen gehen… Der Fantasie sind keine Grenzen zu setzen, wenn man die echte Welt und deren Eigenschaften virtuell überlagern kann.

Die Oculus Rift und Konsorten sind nett, aber mit der HoloLens wird sich unsere Arbeits- und Lebensweise verändern.

Auch Erinnerungen und Kommunikation a la Skype wird sich total verändern, wie dieses neue Video zeigt:

Ich bin total Begeistert von HoloLens und kann es kaum erwarten, sie zum ersten Mal in der hand zu halten. Es wird viel zu wenig über sie berichtet. Ich hoffe nur, die breite Masse erkennt das Potential dieser Erfindung und zieht mit!

Hier geht es zur Microsoft HoloLens Seite.

About the author

Jakob Montrasio

2005 nach Shanghai gezogen. Firma gegründet, Filme geschrieben und gedreht. Jetzt wieder in Deutschland, mit Frau und Tochter.

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