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Schlaflose Nächte #2

Es ist nicht nur die Temperatur des Sommers, die mich schlecht schlafen lässt. Es sind die vielen Dinge, die unangenehm im Hinterkopf herumschwirren und an mir nagen. Ich habe gelesen, dass es befreiend sein soll, sich so Probleme vom Leib zu schreiben – vielleicht hilft diese Notiz mir ja dabei. Gestern habe ich das schon mal getan, heute mache ich es nochmals. Es ist das gleiche Gefühl, dass ich auch habe, wenn ich kurz vor einer Reise bin: Die Angst, die Ohnmacht, ein Gefährt zu verpassen, etwas vergessen zu haben, irgendwie auf ein Problem zu stoßen… Wie eine Phobie, doch gleichzeitig liebe ich das reisen. Und so sehr ich auch meinem Kopf klar zumachen versuche, dass alles in Ordnung ist, dass ich alles in den Koffern gepackt habe, dass ich genug Zeit eingeplant habe, um ans Ziel zu kommen – trotzdem habe ich immer diese Angst bei mir. Es ist total seltsam.

Und jetzt habe ich das gleiche Gefühl wegen dem Umzug, ich kann mich nicht beruhigen, es nagt täglich an mir, weil es noch nicht vorbei ist. Sobald es rum ist, habe ich all den Schmerz und die Angst davon vergessen. Aber zu dem Punkt muss ich erstmal kommen. Vielleicht ist es auch die Menge an Arbeit, die noch vor mir liegt, die mir Angst macht – so viel zu packen, so viele Möbel auseinanderzubauen, so viele Sachen auszusortieren und wegzuwerfen. Die Kündigungen, die ich noch an die Energiewerke, den Internet-Dienstleister und so weiter schicken muss, den Umzugswagen, den ich organisieren muss, die Leute klar machen, die beim umziehen helfen, … Und mit der Bank reden, denn der Verkauf unseres Hauses scheint sich in die Länge zu ziehen, und eine doppelte Belastung mit Wohnung in Heidelberg und Abzahlung des Hauses schaffen wir nicht parallel.

Games beruhigen mich

Es nervt mich auch, dass ich nicht vorpreschen kann und schon mal so viel wie möglich einpacken kann, denn das habe ich bereits getan. Ich habe schon so ziemlich alles eingepackt, was ging, jetzt muss ich noch die Keller ausmisten und den Rest vom Dachboden schaffen, noch mehr Umzugskartons beschaffen und packen, packen, packen. Ach so, und nebenbei ja auch noch meine Arbeit machen. Mit drei Stunden pendeln täglich. Ich muss echt cool bleiben, ich will nicht nochmal einen Hörsturz haben.

Zur Beruhigung spiele ich zur zeit abends Just Cause 3 und lasse es so richtig krachen. Ich glaube, die Politiker haben das völlig falsch beurteilt mit den Ballerspielen, es gibt nichts nervenberuhigenderes als kontrolliert digitale Pixel in die Luft zu sprengen. Das ist harmlos und befreiend, wenn einem das gefällt, weil man mal ein paar Stunden loslassen kann und sich in der virtuellen Welt gehen lassen kann. Ohne Konsequenzen.

Emily beruhigt mich auch

Die andere Sache, die mich total beruhigt, ist mit Emily zu spielen, zu tanzen, Quatsch zu machen. Mit der kleinen Maus erlebt man nochmal ganz eigene Abenteuer. Es ist so eine Freude zu sehen, wie sie sich Woche für Woche entwickelt, größer wird, Fragen stellt und eigene Stellung bezieht. Es ist so süß zu sehen, wie sie Merkmal ihrer Mama und von mir hat. Wie schön unsere guten Seiten in ihr zum Vorschein kommen. Sie ist glücklich, und dadurch bin ich es auch. Ich hoffe, sie hat in Heidelberg eine so schöne Jugend wie ich sie in Schlierbach auch hatte.

„Man soll sich für die Kinder nicht verändern, die Kinder müssen sich dem eigenen Leben anpassen, und nicht andersrum!“ – diesen Satz habe ich irgendwann, irgendwo mal gelesen, und nach 8 Jahren Kindererziehungserfahrung kann ich jetzt mit Gewissheit sagen: Den Satz kann nur ein gigantisches Arschloch von Trumpscher Größe geschrieben haben. Natürlich müssen wir als Eltern gucken, dass Essen auf dem Tisch ist und ein Dach über dem Kopf. Aber wenn es dem Kind hilft, in einer besseren Region aufzuwachsen, auf bessere Schulen zu gehen, dann ist das verdammt noch mal die Verantwortung der Eltern, dem Kind das zu bieten! Wozu hat man denn sonst Kinder?

Meine Gedanken springen hin und her, ich schreibe mir einfach alles von der Seele, was grade auf den Tisch kommt. Aber der rote Faden der Gedanken ist ganz klar der Umzug und die neue Welt, in der wir bald ankommen werden.

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