Shape of Water

Shape of Water.

Nachdem mich der Oscar Gewinner des letzten Jahres La La Land bitter enttäuscht hatte, war die Hoffnung mit “Shape of Water – Das Flüstern des Wassers” endlich mal einen richtig guten Oscar Film zu bekommen, verdammt groß. Denn er ist ja schließlich von Ausnahmetalent Guillermo del Toro, der mit Mimic, Hellboy, Pans Labyrinth, Blade 2 und selbst Pacific Rim fantastische Kinounterhaltung gezaubert hat. Umso bitterer die Enttäuschung, wenn man dann nach der Hälfte des Filmes merkt, was für ein billiges Fischstäbchen man sich da gerade ansehen muss.

Es war einmal…

Es geht um eine stumme Putzfrau, die in einem mehr oder weniger geheimen Militärkomplex arbeitet und dort in den 50ern eben putzen geht, immer in der Nachtschicht. Ihre beste Freundin ist eine dicke Schwarze, die dauernd dem Rassismus dieser Zeit ausgesetzt ist und ihr bester Freund ist der homosexuelle Nachbar, der dauernd dem Rassismus dieser Zeit ausgesetzt ist. Dieses Team an Außenseitern, die dauernd dem Rassismus der Zeit ausgesetzt sind (in einem Jahr, in dem es dank Trump täglich um den Rassismus der aktuellen Zeit geht), wird Elisa Esposito, so heißt die gute Putzfrau, dabei helfen, mit einem geheimnisvollen Fischwesen, welches in Südamerika als Gott gehuldigt wurde, und nun in jenem geheimen Militärkomplex untergebracht ist und gefoltert wird, zusammenzukommen.

Wir fassen zusammen: Shape of Water – Das Flüstern des Wassers, der Film des Jahres 2018, ist eine Romanze zwischen einem Fischmann und einer stummen Putzfrau. Er spielt 1950. Zitiert dauernd andere, alte Hollywood Schinken. Und alle wichtigen Figuren in dem Film werden irgendwie… unterdrückt. So sehen Oscar-Formeln aus.

Natürlich gibt es ein paar komplett vorhersehbare Twists, das Ende des Filmes kann man sich schon nach dem ersten Akt denken, und es passiert auch sonst nichts wirklich überraschendes, wenn man sich auf die “interessante” Ausgangssituation einlässt. Keine Frage, technisch ist der Film trotz des geringen Budgets oberste Klasse, jedes Set strotzt nur so vor Atmosphäre und Vergangenheit. Und auch die Schauspieler sind fantastisch, allen voran Sally Hawkins, die wirklich fantastisch in ihre Rolle passt. Auch Michael Shannon kann wieder einmal auf voller Linie überzeugen, er ist einfach einer der ganz großen Darsteller Hollywoods und verdient viel mehr Aufmerksamkeit. Den Fisch sollte man auch wohlwollend erwähnen, er sieht fantastisch aus und wirkt sehr lebendig.

Shape of Water: Der leckerste Fisch ist immer noch der Schnitzel

Das Drehbuch von Shape of Water und vor allem das bizarre Tempo des Filmes jedoch machen all den Mühen den Garaus. In mehr als einer Szene erinnert der Film zudem noch an “Die fabelhafte Welt der Amélie” von Jean-Pierre Jeunet, von den Farben des Colorings aber auch von dem Verhalten der Hauptfigur. Für einen sonst so kreativen Einzelgänger wie del Toro doch etwas traurig, sich so sehr an Europa zu orientieren, statt wie an Mexiko, wie zuvor.

Spätestens ab der Mitte des Filmes ist man zu Tode gelangweilt. Erst wird man von der bestialischen Liebesgeschichte völlig überrannt – sie wird kaum erklärt und spielt sich in wenigen Minuten ab – und dann beginnt schon der Thriller Teil vom Film, der sich komplett unnötig auf die gesamte zweite Hälfte des Filmes zieht. Die Mitte des Filmes hätte der Anfang vom Showdown sein müssen, und die Entwicklung der Liebe zwischen den beiden Hauptfiguren hätte deutlich mehr Zeit und vor allem erklärende Logik gebraucht.

Sehr schade, wieder mal komplett enttäuscht zu werden, aber so ist das Leben. Del Toro werde ich dennoch immer wieder eine Chance geben, denn er ist einer der Guten, die immer wieder komplett neuen Wind in die Segel blasen. Da verzeiht man ihm gerne eine Seegurke wie diese.

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